Einfaches Bauen ist kein Rückschritt, sondern ein Fortschritt durch Klarheit. Wer die Bauwende ernst nimmt und Verantwortung übernehmen will, muss den Mut haben, Komplexität dort zu reduzieren, wo sie keinen Mehrwert bietet.

Dabei sind Ökologie und Ökonomie keine Gegensätze. Gebäude, die weniger Material, weniger Aufwand und weniger Komplexität benötigen, schaffen mehr Spielraum für das, worum es beim Bauen eigentlich geht – lebenswerte und bezahlbare Räume.


Warum bauen wir eigentlich so kompliziert? 

Ein ungebrochener Trend im Geschosswohnungsbau in Deutschland sind hohe Baukosten, die u. a. aus erhöhten technischen Anforderungen und einer zunehmenden Komplexität normativer und funktionaler Vorgaben resultieren. Gleichzeitig besteht ein anhaltend hoher Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. 

Das Typengebäude Einfaches Bauen zeigt, wie Wohnungsbau wirtschaftlicher und ressourcenschonender werden kann:

  • bis zu 1.200 €/m² Wohnfläche weniger Herstellkosten
  • bis zu 24 % weniger CO2 in der Primärkonstruktion
  • Bundesweite Realisierbarkeit 

Manifest Einfaches Bauen

Bauen muss einfach werden

Wie kann so einfach und frei von Überfluss gebaut werden, dass der Mensch wieder im Mittelpunkt steht? Einfaches Bauen bedeutet keinen Verzicht auf Qualität oder Komfort. Es bedeutet, sich konsequent auf das Wesentliche zu konzentrieren: Bezahlbare Gebäude, die dauerhaft tragen, behaglich sind und dem Menschen Schutz bieten. Unser Manifest ist ein Plädoyer für eine Baukultur, die Einfachheit als Haltung und als Maßstab für verantwortungsvolles Bauen gegenüber Raum, Ressourcen und Mensch versteht. Es schafft Orientierung für Entscheidungen, unterstützt die Argumentation gegenüber der Bauherrschaften und fordert dazu auf, gewohnte Routinen kritisch zu hinterfragen.

Manifest Einfaches Bauen
Manifest Einfaches Bauen
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Manifest-Mensch

Nicht andersherum. Die tatsächlichen
Bedürfnisse der Menschen, ihr Schutz
vor äußeren Einflüssen und das Schaffen
behaglicher, gesunder Lebensräume
stehen beim Bauen im Mittelpunkt.
Zukunftsfähige Gebäude folgen diesen
Werten – mit klaren Strukturen und Räumen,
die aus sich heraus funktionieren.
Eine Rückbesinnung auf diese wesentlichen
Eigenschaften geht nicht mit einem
Verzicht auf Qualität und Komfort einher.
Ganz im Gegenteil: Sie ist die Grundlage
dafür.

Manifest-Balance

Mit den Ressourcen unseres Planeten
gehen wir ebenso bewusst um wie
mit unseren finanziellen Mitteln. Wirtschaftlichkeit
und Umweltverträglichkeit
schließen sich nicht aus, sondern sind
von Beginn an gleichberechtigt planund
umsetzbar. Was sich bewährt, wird
genutzt und weiterentwickelt; was gut
gelöst ist, wird wiederholt.

Manifest-Flächen

Fläche ist eine wertvolle, begrenzte
Ressource. Jeder Quadratmeter, den wir
bebauen, verändert unsere Umwelt
dauerhaft. Die Herausforderung besteht
darin, Raum zu schaffen, ohne Flächen
zu verschwenden. Entscheidend ist die
Frage nach dem tatsächlichen Bedarf
– und das kluge Austarieren zwischen
Bauen, Umbauen und Weiterbauen.

Manifest-Vernetzen

Zusammenarbeit statt Schnittstellenchaos.
Bauwerke, die die an sie gestellten
Anforderungen erfüllen, gelingen
nur im Miteinander. Sie entstehen dort,
wo Disziplinen zusammenarbeiten und
Synergien nutzen. Die ganzheitliche Betrachtung
eines Projektes verlangt den
frühzeitigen Austausch mit allen an der
Planung und am Bau Beteiligten. Digitale
Werkzeuge unterstützen diese gemeinschaftliche
Aufgabe, indem sie Prozesse
optimieren und die Zusammenarbeit vereinfachen.

langlebig und wertbeständig bauen

Eine Lebensdauer von mindestens 80
Jahren ist der Standard, den jedes Gebäude
erfüllen sollte. Wertbeständig zu
bauen, meint darüber hinaus auch, Bauwerken
einen immateriellen Wert für die
Menschen zu geben, die täglich in und
mit ihm leben. Architektonische Qualität
zeigt sich daher nicht nur in der Lebensdauer
eines Bauwerks, sondern in seiner
Relevanz, die für Generationen bleibt.

flexibel planen

Langlebige Gebäude haben mehr als
einen Nutzungszyklus. Mit einfachen
Grundrissen lässt sich flexibel auf Bedarfs-
und Nutzungsänderungen reagieren.
Gleiches gilt auch für die einzelnen
Bauteile. Robuste Strukturen ermöglichen
Veränderungen, ohne dabei die
Substanz infrage zu stellen.

Konstruktion vor Technik

Die grundlegenden Anforderungen ebenso
wie die Komfortansprüche an ein
Gebäude lassen sich mit durchdachten
Konstruktionen, Bauweisen und Grundrissen
erfüllen. Gebäudetechnik sollte
unterstützend wirken, so robust wie das
Gebäude selbst und für die Nutzenden
verständlich und händelbar sein.

konsequent zirkulär

Unsere Bauwerke, vor allem auch diejenigen,
die neu entstehen, sind die
Materiallager der Zukunft. Wird der sortenreine
Rückbau schon in der Planung
mitgedacht, endet der materielle Wert
nicht mit der ersten Nutzung. Authentische,
recycling- und kreislauffähige
Materialien sind eine langfristige Ressource,
die ökologische und wirtschaftliche
Potenziale gleichermaßen erschließt.

Manifest-Regional

Natürliche Ressourcen sollten dort
genutzt werden, wo sie verfügbar sind:
in direkter Nähe. Regionalität ermöglicht
nachhaltiges, klimagerechtes Bauen
und ist weit mehr als ein ökologischer
Beitrag. Regionalität verbindet gestalterische
Qualität mit lokaler Baukultur.
Sie macht Bauprozesse unabhängig von
volatilen globalen Lieferketten und ist
ein Garant für Versorgungs- und Planungssicherheit.

Material

Es gibt nicht die eine Bauweise, die alle
Herausforderungen löst. Entscheidend
ist, Baustoffe so zu wählen und zu verarbeiten,
dass ihre spezifischen Eigenschaften
das Erreichen des Projektziels
unterstützen. Der bewusste, angemessene
Umgang mit zuverlässigen und ehrlichen
Materialien sorgt dabei für klare
Konstruktionen und kann auf dem Weg
zur Bauwende neue Ideen und
Veränderungen anstoßen.


Einfachheit beginnt im Material

Materialgerechte Planung und Ausführung

Einfaches Bauen beginnt mit der Frage, was ein Material aus sich heraus leisten kann. Kalksandstein verbindet hohe Tragfähigkeit mit Schall- und Brandschutz und ermöglicht schlanke, robuste Konstruktionen. Seine materialhomogene Struktur und die klare Trennung von Tragwerk, Dämmung und Fassade schaffen konstruktive Freiheit und können Anpassungen und einen sortenreinen Rückbau erleichtern. Gefertigt aus Sand, Kalk und Wasser und regional in Deutschland produziert, ist Kalksandstein ein bewährter Baustoff mit klaren und nachvollziehbaren Materialeigenschaften. Diese Eigenschaften konsequent zu nutzen, bedeutet: Konstruktion vor Komplexität, Material vor Technik und Qualität durch Klarheit.

Wer einfacher bauen will, braucht ein Material, das Planungssicherheit schafft und konstruktive Lösungen ermöglicht. Kalksandstein unterstützt genau diesen Ansatz: Viele Anforderungen können bereits über die massive Bauweise berücksichtigt werden – ohne zusätzliche Komplexität in der Konstruktion.

Konstruktion statt Kompensation: Schall- und Brandschutz können bereits durch den Wandaufbau erreicht werden. Das reduziert den Bedarf an zusätzlichen Bekleidungen oder komplexen Sonderlösungen und vereinfacht die Planung.

Klare Tragwerkskonzepte: Dank hoher Druckfestigkeit lassen sich tragende Wände schlank und effizient planen. Das schafft flexible Grundrisse und kann die Zahl und den Materialverbrauch konstruktiver Bauteile reduzieren.

Maßgenau bauen: Maßhaltige Kalksandsteine ermöglichen einen präzisen Bauablauf. In Verbindung mit einer Planung im Mauerwerksraster erleichtert das die Ausführung auf der Baustelle und unterstützt eine wirtschaftliche Bauweise.

Weniger Schnittstellen: Wenn mehrere Anforderungen – beispielsweise Tragfähigkeit, Schallschutz und Brandschutz – bereits durch ein Bauteil erfüllt werden, sinkt der Abstimmungsaufwand zwischen den Gewerken.

Ein Material – viele Anwendungen: Ob Wohnungstrennwand, Innenwand oder tragende Außenwand: Kalksandstein kann in unterschiedlichen Gebäudebereichen eingesetzt werden. Das vereinfacht Materiallogistik, Ausschreibung und Ausführung.

Ideal für serielles und typisiertes Bauen: Wiederkehrende Grundrisse und standardisierte Wandaufbauten lassen sich effizient planen und ausführen. Damit eignet sich Kalksandstein für Typengebäude und andere Konzepte des einfachen Bauens.

Aufstockung Münster
Olaf Mahlstedt | Varwick Architekten
bauen muss einfacher werden manifest

Typengebäude Einfach Bauen

Wie lässt sich einfaches Bauen im mehrgeschossigen Wohnungsbau konkret umsetzen?

Das Typengebäude überträgt die Prinzipien des einfachen Bauens konsequent auf ein konkretes, bun­desweit anwendbares Gebäudekonzept für den Geschosswohnungsbau. Es zeigt, welche Potenziale bereits innerhalb des vorhandenen Regelwerks erschlossen werden können: Durch eine optimierte Primärkonstruktion, durchdachte und flexible Grundrisse, die Anpassung der gebauten Standards auf das gesetzlich geforderte Niveau sowie den bewussten Verzicht auf sekundäre, kostentreibende Gebäudebestandteile.

Entwickelt wurde das Konzept von KS-ORIGINAL gemeinsam mit redante haun architekten / Stammer Innenarchitektur und der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e. V. (ARGE). Zum Zweck monetärer und materieller Einspareffekte wurde das Typengebäu­de Einfaches Bauen mit dem ARGE-Typengebäude, das im Vergleich als Referenzgebäude und als Grundlage für eine Kosten- und Entwurfsoptimierung der im Geschosswohnungsbau gebau­ten Praxis dient, verglichen.

Typengebäude Einfach Bauen seitliche Ansicht
KI-Rendering | KS-ORIGINAL GMBH

Seitenansicht des Typengebäudes Einfaches Bauen mit Staffelgeschoss.


Ein Grundsystem, das sich anpassen lässt

Das Grundmodell ist als freistehendes Mehrfamilienhaus der Gebäudeklasse 4 in massiver Kalksandstein-Bauweise konzipiert. Es umfasst 14 Wohneinheiten und rund 889 m² Wohnfläche. Vier weitgehend gleiche Vollgeschosse schaffen eine klare Wiederholungsstruktur. Die obere Ebene kann je nach Standort und planungsrechtlichen Rahmenbedingungen als Vollgeschoss, Staffelgeschoss oder Dachgeschoss ausgebildet werden.


Typengebäude Einfach Bauen Vorderseite
Fölsch + Haun

Vorderseite mit optionalen vorgestellten Balkonen

Typengebäude Einfach Bauen seitliche Ansicht
Fölsch + Haun

Seitenansicht mit optionalen Balkonen und Außenaufzug

Typengebäude Einfach Bauen Hinterseite
Fölsch + Haun

Hinterseite mit optionalem Außenaufzug


Wo wird Planung einfacher?

Es entsteht kein starrer Gebäudetyp, sondern ein anpassbares System: Wiederholen, wo Wiederholung sinnvoll ist – variieren, wo Standort und Nutzung es verlangen. 

Typengebäude Einfaches Bauen
KS-ORIGINAL GMBH

 

Kompakter Baukörper
Weniger Versprünge, Auskragungen und Sonderdetails vereinfachen Konstruktion und Gebäudehülle.

Rastergerechtes Tragwerk
Grundriss und tragende Kalksandsteinwände werden konsequent aufeinander abgestimmt.

Optimaler Lastabtrag
Gleiche Strukturen und übereinanderliegende Bauteile reduzieren Planungs- und Materialaufwand.

Tragende Innenwände
In Verbindung mit der Verschlankung der massiven KS-Tragkonstruktion und der Ausführung tragender KS-Innenwände sinken Materialeinsatz in der gesamten Primärkonstruktion, steigt die nutzbare Wohnfläche bei gleicher Außenkubatur und Schall-, Brand- und Wärmeschutzanforderungen bleiben aufgrund der bauphysikalischen Eigenschaften des Kalksandsteins erfüllbar.

Optimierung Wohnungsgrund­risse 
Modifikation der Lage und Anzahl der Steigeschächte, größtmögliche Ausnutzung der vorhandenen Fläche inklusive Unterbringung aller notwendigen Abstellräume bei gleichzeitiger Eignung für eine barrierefreie Nutzung innerhalb der Wohnungen.

In Anlehnung an das Referenzgebäude für den Regelstandard Erleichtertes Bauen SH wurde das Typengebäude Einfaches Bauen konzipiert und weitere Vereinfachungen berücksichtigt. 


Was bringt das Konzept

Die Mietfläche wurde nach WoFIV ohne Berücksichtigung von Balkonen, Loggien o. ä. ermittelt und beträgt für das ARGE Typengebäude 853,63 m² und für das Typengebäude Einfaches Bauen 889,44 m². Der Materialeinsatz in der Primärkonstruktion wurde reduziert: Stahlbetondecke von 20 cm auf 16 cm; Kalksandstein Außenwand von 17,5 auf 15 cm. Unterschied der CO2-Äquiva­lente 24.969,3 kg (A1-A3): ARGE Typengebäude 109.512,2 kg CO2 abzgl. Typengebäude Einfaches Bauen 84.542,9 kg CO2. 

Typengebäude Einfaches Bauen Grundmodell Auswirkungen im Vergleich zur gebauten Praxis
ARGE//eV

Es wurden keine Gebäudegesam­temissionen, sondern der Unterschied der CO2-Äquivalente für die Materialersparnis von Stahlbeton und Kalksandstein gerechnet. Die Optimierung der Tragwerkskonstruktion mit Reduzierung der Wanddicken ermöglicht gleichzeitig, bei gleicher Außenkubatur, die zusätzliche Wohnfläche in Höhe von rd. 36 m². Die Kostenersparnis wurde anhand von Auswertungen fertig gestellter und abgerechneter Bauvorhaben ermittelt. (Quelle: ARGE//eV). Damit zeigt das Typengebäude vor allem eines: Einfaches Bauen entsteht nicht durch eine einzelne Maßnahme. Es entsteht, wenn Grundriss, Tragwerk, Material, Technik und Ausstattung von Beginn an als zusammenhängendes System geplant werden.


Typisiert und doch individuell

Typengebäude Einfaches Bauen Fassadenvariationen
KI-Rendering | KS-ORIGINAL GMBH

Das Typengebäude im Detail verstehen

Alle Grundrisse, Varianten, Berechnungsgrundlagen und Ergebnisse finden Sie im ARGE-Mitteilungsblatt Nr. 265 „Typengebäude Einfaches Bauen für den kosten- und ressourceneffizienten Geschosswohnungsbau – Vergleich eines optimierten Typengebäudes KS-Original mit dem ARGE-Typengebäude“.

Mitteilungsblatt herunterladen


FAQ

Das ARGE-Referenzgebäude dient als Vergleichsmodell für Baukosten, Standards und konstruktive Varianten. Das Typengebäude Einfaches Bauen ist eine darauf aufbauende, gezielt optimierte Weiterentwicklung: mit kompakteren Grundrissen, schlankerer Tragkonstruktion, reduzierter Gebäudetechnik und geringerem Materialeinsatz.