Schallschutz Innenwände

Schallschutz ist eine Gebäudeeigenschaft. Die Bauteileigenschaften der Trennwand liefern für das resultierende Ergebnis einen wesentlichen, aber nicht den einzigen Beitrag.


Direktschalldämm-Maß mit und ohne Flankeneinflüssen

Die Direktdämmung Rw (= Laborwert) verschiedener Wohnungstrennwände bzw. Trenndecken wird durch den Einfluss der flankierenden Übertragung gemindert  und ergibt im Endergebnis eine niedrigere resultierende Schalldämmung R’w (= Wert der im Gebäude wahrgenommen wird) Das erreichte Ergebnis hängt maßgeblich von der Gestaltung der Flankenbauteile ab.

Flankenbauteile sind 1.) alle Innen- und Außenwände sowie Stb.-Decken, die an Trennwände mit Schallschutzanforderungen anschließen (horizontale Schallübertragung) sowie 2.) alle Innen- und Außenwände, die auf Stb.-Decken (Trennbauteil) stehen und am Wandkopf eine feste Verbindung zur Decke haben (vertikale Schallübertragung).

Direktschalldämm-Maß Rw und bewertetes Schalldämm-Maß R’w


Die Anforderungen an die Schalldämmung der Flankenwege müssen umso höher sein, je höher das gewählte Schallschutzniveau ist. Eine Grundbedingung für eine hohe Flankendämmung ist eine hohe Direktdämmung der Bauteile. Im Massivbau wird eine hohe Direktdämmung durch eine große flächenbezogene Masse erreicht.

Vorteilhaft sind dabei hohe Rohdichten, um die Wanddicken trotz großer flächenbezogener Massen so klein wie möglich zu halten. Diese Aussage gilt gleichermaßen für Innenwände wie für Außenwände.

Die zusätzliche Berücksichtigung der Stoßstelleneigenschaften (= Bauteilanschlüsse) sorgt für eine exaktere Prognose der bauakustischen Eigenschaften eines Gebäudes und liefert der schalltechnischen Planung neue Ansätze zur Optimierung.

Direktschalldämm-Maße von Kalksandsteinwänden nach E DIN 4109-2


Bei horizontaler Übertragung über eine Trennwand hinweg:

Es ist dafür zu sorgen, dass die Stoßstelle in der vorgegebenen Bauteilkombination (z. B. schwere Wohnungstrennwand, flankierende Außen- oder Innenwand) die maximal mögliche Stoßstellendämmung auch tatsächlich erreicht. Dies setzt eine schalltechnisch biegesteife Verbindung zwischen den Bauteilen voraus.

Bei vertikaler Übertragung über die Wohnungsdecke hinweg kann das Prinzip der erhöhten Stoßstellendämmung gezielt eingesetzt werden:

Wenn die Festlegungen für die flankierenden Außen- und Innenwände getroffen worden sind, kann die flankierende Übertragung über diese Bauteile dadurch zusätzlich vermindert werden, dass die Trenndecke möglichst schwer ausgeführt wird. Eine größere flächenbezogene Masse sorgt hier für eine höhere Stoßstellendämmung. Als günstig erweisen sich Stahlbetondecken mit Dicken von ≥ 20 cm.

Die beschriebenen Einflussfaktoren auf das resultierende Schalldämm-Maß zeigen, dass die Berechnung mit Hilfe eines geeigneten Berechnungsprogramms naheliegend ist. Hierzu kann der KS- Schallschutzrechner genutzt werden.


Einschalige Wohnungstrennwände

Beim Schallschutz zwischen Nachbarräumen steht die Wohnungstrennwand zwischen fremden Wohnräumen im Mittelpunkt des Interesses. Die Einbindung der Trennwand in das bauakustische Gesamtkonzept lässt sich leicht erkennen, wenn unterschiedliche Varianten für Trennwand und Flankenbauteile durchgespielt werden.

Damit die geforderte schalltechnisch biegesteife Verbindung (starre Kopplung) beim Stumpfstoß zu Stande kommt, ist es erforderlich, dass die Stumpfstoßfuge zwischen beiden Wänden vollflächig sorgfältig mit Mörtel verfüllt ist. Wenn dies nicht gewährleistet werden kann, ist bereits in der Schallschutzplanung ein akustisch entkoppelter Stoß anzunehmen.

Bei reiner  Kalksandsteinbauweise bedeutet ein akustisch entkoppelter Stumpfstoß  eine Verminderung der Schalldämmung (zwischen 2 nebeneinanderliegenden Räumen) von ca. 1 bis 2 dB. Bei leichten Außenwänden kann diese Ausführung zu Verminderungen von bis zu 7 bis 8 dB führen.

Dimensionierung mit dem KS-Schallschutzrechner, Variationsrechnung


Wenn im Gegensatz zur biegesteifen Verbindung gelegentlich versucht wird, den Knotenpunkt als Stumpfstoß mit Trennfuge (und Dämmmaterial in der Fuge) auszuführen, dann handelt es sich um eine schalltechnisch riskante Lösung. Selbst wenn durch vollständige Abdichtung der Fuge eine ausreichende Direktdämmung über das trennende Bauteil erreicht wird, ist das Problem in Form der flankierenden Übertragung vorprogrammiert.

Bei einer bautechnisch besseren (weil unempfindlicheren) Lösung durchstößt die Wohnungstrennwand die Außenwand vollständig. Für den Wärmeschutz entstehen dabei keine nachteiligen Auswirkungen, da die Außenwand als Kalksandsteinwand stets mit einer außenseitigen Wärmedämmung versehen ist. Schalltechnisch dagegen entsteht eine gegen Ausführungsfehler und mechanische Belastungen unempfindliche Konstruktion. Wenn es bei dieser Ausführung auch zum Abreißen zwischen Außen- und Wohnungstrennwand kommen sollte, verbessert sich die Flankendämmung über die Außenwand sogar, da die Schallübertragung über die abgerissene Verbindung behindert oder sogar verhindert wird.

Flankierende Außenwand durchgehend, Trennwände stumpf angeschlossen

Trennwände durchgehend, flankierende Außenwände stumpf angeschlossen


Zweischalige Reihen- und Doppelhaustrennwände

Bei zweischaligen Haustrennwänden aus zwei schweren, biegesteifen Schalen mit durchgehender Trennfuge, z.B. bei Reihenhäusern, kann die Schallübertragung zwischen benachbarten Häusern gegenüber einschaligen Haustrennwänden erheblich verringert und somit die Schalldämmung erhöht werden.

Voraussetzungen dafür sind:

  • Die Fuge ist von der Oberkante des Fundaments lückenlos bis zur Dachhaut durchzuführen.
  • Die flächenbezogene Masse der Einzelschale (inklusive eines eventuell vorhandenen Putzes) muss ≥ 150 kg/m2 aufweisen. Die Dicke der Trennfuge muss dabei ≥ 30 mm sein.
  • Bei einem Gewicht der Einzelschalen von m<150 kg/m2 muss der Fugenabstand mindestens 50 mm betragen. Das Mindestgewicht der Einzelschale muss aber 100 kg/m2 betragen.
  • Der Fugenhohlraum sollte mit dicht gestoßenen und vollflächig verlegten Mineralfaserplatten Typ WTH nach DIN 4108-10 ausgeführt werden, um Mörtelbrücken zu vermeiden.

Der Einfluss der flankierenden Schallübertragung durch die Kopplung der Haustrennwände am Fußpunkt kann zu einer drastischen Reduzierung der Schalldämmung führen. Statt des üblicherweise mit 12 dB angesetzten Zweischaligkeitszuschlags werden abhängig von der Art der Kopplung in der Realität häufig nur 6 dB erreicht, teilweise sogar noch weniger.

Mineralfaserplatten vermeiden Schallbrücken


Prognose des Schalldämm-Maßes von zweischaligen Haustrennwänden:

R’w,2 = R’w,1 + ΔRw,Tr – K
R’w,2    Bewertetes Schalldämm-Maß der zweischaligen Haustrennwand
R’w,1      Schalldämm-Maß einer gleichschweren einschaligen Wand
ΔRw,Tr   Zweischaligkeitszuschlag in Abhängigkeit von der Kopplung im Fundamentbereich
K        Korrekturwert K zur Berücksichtigung der Übertragung über flankierende Decken und Wände

Der Korrekturwert K ist nur zu berücksichtigen, wenn die Übertragung im Fundamentbereich vernachlässigt werden kann (ΔRw,Tr = 12 dB) und wenn die mittlere flächenbezogene Masse der auf die Haustrennwand stoßenden massiven Flanken kleiner ist als die der empfangsraumseitigen Schale der Haustrennwand.

Die Berechnung erfolgt mit dem KS-Schallschutzrechner.

Fundamentanschluss zweischaliger Haustrennwände


Schalldämm-Maße R‘w zweischaliger KS-Haustrennwände in Abhängigkeit von ΔRw,Tr

Zweischalige Wände ohne durchgehende Trennfuge (z.B. bei durchlaufenden Decken) sind zu vermeiden. Insbesondere bei dünneren biegesteifen Einzelschalen (z.B. 11,5 cm) wird der resultierende Schallschutz nicht höher, sondern eher niedriger als bei einer gleich schweren einschaligen Wand.


Weitere Informationen

© Thomas Popinger

Schallschutz

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